Tödliche Freundschaft

Das   Huhn   ist   das   am   perfektesten   industrialisierte Tier    unter    den    Nutztieren    des    Menschen.    Am besten   zu   erken nen   ist   das   am   Grad   der   Mecha ni - sierung   all   des sen,   was   um   das   eigentliche   Lebe - we sen   he rum   pas siert.   Die   mo der nen   Ställe   sind kli ma tisiert.   Lüf tung   und   Wärme   wer den   auto ma - tisch   geregelt.   Der   Tag   beginnt,   wenn   sich   das Licht    einschaltet,    er    dauert    so    lange,    bis    die Lichtan la ge         ihn         programmiert         beendet. Lichtstärke     und     Licht far be,     mit     mehr     oder weniger   UV-Anteil,   sind   ab ge stimmt   auf   das Alter der   Tiere,   berechnet   nach   Licht einheiten   in   Lux pro Quadrat meter Stall bo den.
Biohühner   dürfen   raus,   sie   haben Auslauf.      Vorgeschrie ben      sind pro   Legehenne   oder   Broiler   vier Qua dratmeter      Freifläche.      Sie wachsen        langsamer,        leben länger.    Aber    auch    die    meisten Biohühner     stam men     aus     der industriel len    Hybrid zucht,    auch die    Brüder    der    Bio lege hennen werden            meist            getötet. Ausnahmen:    die    Zweinutzungs - hüh ner     und     die     Bruderhahn- Intitiative.
Legehenne      » Lohmann      Brown «       aus      der      Lege batterie      und      aus      dem Firmenprospekt.    Neben    den    abge fres senen    Federn    und    dem    kahlen    Hals    der Henne   links   spricht   auch   der   blasse   Kamm   für   ein   krankes Tier.   Das   Obergefieder dieser   Legehen nen linie   ist   eigentlich   braun,   wie   auf   dem   rechten   Bild.   Davon   ist der   linken   Henne   nicht   viel   geblie ben.   Gegenseitiges   Federpicken   ist   ein   aus   der In ten siv haltung   bekanntes   Phänomen,   das   bis   zum   Kannibalismus   führen   kann . Um   dem   Entgegenzuwirken   wurde   nicht   etwa   eine   artgerechtere   Haltung   mit Auslauf    vorgeschrieben,    sondern    das    Schnabelkürzen    bei    Küken    erlaubt.    In Nordrhein-Westfalen      und   Meck len burg-Vorpommern   ist   das   seit   1.   Januar   2017 verboten, im restlichen Bundesgebiet gibt es freiwillge Vereinbarungen.
In     der     Initiative     Bruderhahn      haben     sich Biobauern    und    Na tur kosthändler    zusam men - getan,     um     die     männlichen     Tie re     der     Le ge - hennen linien    aufzuziehen.    Verbraucher    zah len vier   Cent   mehr   für   das   Bruderhahn-Bioei,   was nicht     kostendeckend     ist.     Die     Initiative     hat inzwischen    eini ge    Nachahmer    gefunden.    Der Großteil   der   Bruderhähne   wird   aber   nach   wie vor sofort getötet.
»Etwas Besseres als den Tod findest du überall.« Die Bremer Stadtmusikanten

Puttputt kaputt

Foto: Philip Pikart
Die Alternative zur einseitigen Ausrichtung der Hühnerzucht auf Legehennen oder Broiler ist das »Zweinutzungshuhn«. Typisch an der Industrie- landwirtschaft ist, dass ehemals Normales jetzt neue Begriffe braucht, weil sie eben nicht mehr die Industrienorm sind. Heute sind die Legehybriden dermaßen spezialisierte Tiere, dass es ein Zuschussgeschäft wäre, die männlichen Tiere aufzuziehen, weil diese Zuchtlinien alle Energie in die Eierproduktion legen, die Hähne aber nur sehr langsam Fleisch ansetzen. Deshalb werden die Brüder der Legehennen direkt nach dem Schlupf zu Tausenden getötet. Das Zweinutzungshuhn, das einige Biobauern als Les Bleues aus dem französischen Bresse gauloise züchten wollen, soll das Töten überflüssig machen - legt aber mit ca. 240 Eiern viel weniger als eine Hybridlege- henne mit über 300 Eiern im Jahr.
Das     Futter     wird     an     Lebensalter     und     Leis - tungssoll   –   Fleischzunahme   oder   Eierproduktion –   genau   ange passt,   berechnet   nach   dem   Anteil   an Proteinen,   Ami no säuren,   Vitaminen,   computer ge - steuert     gemischt,     ge schro tet     oder     in     Pellets gepresst.     Die     Futterbänder     wer den     vollauto - matisch    aus    den    Futtersilos    beladen    und    zeit - gesteuert   angefahren   und   abgestellt. Wenn   es   Sitz - stangen   gibt,   so   liegen   die   über   der   Kotgrube,   die auto matisch   gereinigt   wird.   Der   Boden   der   Nester zur    Eiablage    ist    schräg,    die    Eier    rollen    nach hinten     ab     und     werden     vom     Förderband     zur Sortierung gebracht. Es   gibt   industriell   gefertigte   Vergasungskästen für   die   männlichen   Küken   der   Legelinien,   es   gibt Auto maten   zur   Schnabelkürzung   und   schließlich Fließ bän der   im   Schlachthof.   Die   Maschinenwelt der   Industrie land wirt schaft   endet   direkt   vor   dem maschinell    ge kürz ten    Schna bel    des    Huhns    und beginnt   direkt   an   seinem   Hin ter teil   wieder,   egal ob   dort   Kot   oder   Eier   heraus kom men.   Eine   der Folgen:    Über    90    Prozent    der    Hähn chen    aus konventioneller Mast bekommen Antibiotika.

Bio als Alternative?

Und   auch   Biohennen   wird   mit künstlichem   Licht   ewiger   Früh - ling   vorgegaukelt,   denn   wir   ha - ben   längst   vergessen,   dass   Hüh - ner   im   Winter   keine   Eier   legen. Zwischen   Weihnach ten   und   Os - tern    gab    es    früher    keine    Eier. Heute   werden   in   dieser   Zeit   die meisten   Eier   gekauft   -   und   müs - sen   also   auch   gelegt   wer den.   Das gilt auch für Bioeier. Was    bei    Bio    ganz    anders    ist: der    Preis    der    Hähnchen!    Ein Biobroi ler   kostet   leicht   30   Euro. Das    ist    der    Preis    des    besseren Lebens.      Und      das      markiert ungefähr,   was   es   kosten   würde, die      Tierhaltung      deutlich      zu verändern   und   wie   viel   weniger Fleisch    wir    dann    kon su mieren würden.

Doppelnutz

Vorwärts in die Vergangenheit
Bauckhof-Biohähnchen im Mobilstall
Ist- und Soll-Zustand:
Unter Federpickern und Kannibalinnen
Foto: Ronald Duncan
Foto: USDA
   Siehe Doppelnutz
Mobilstall auf Kufen, wird mit Traktor bewegt

Tödliche Freundschaft

Das   Huhn   ist   das   am   perfektesten   industrialisierte Tier    unter    den    Nutztieren    des    Menschen.    Am besten   zu   erken nen   ist   das   am   Grad   der   Mecha ni - sierung   all   des sen,   was   um   das   eigentliche   Lebe - we sen   he rum   pas siert.   Die   mo der nen   Ställe   sind kli ma tisiert.   Lüf tung   und   Wärme   wer den   auto ma - tisch    geregelt.    Der   Tag    beginnt,    wenn    sich    das Licht    einschaltet,    er    dauert    so    lange,    bis    die Lichtan la ge         ihn         programmiert         beendet. Lichtstärke     und     Licht far be,     mit     mehr     oder weniger   UV-Anteil,   sind   ab ge stimmt   auf   das Alter der   Tiere,   berechnet   nach   Licht einheiten   in   Lux pro Quadrat meter Stall bo den.
Biohühner    dürfen    raus,    sie    haben   Auslauf.    Vorgeschrie ben    sind    pro Legehenne    oder    Broiler    vier    Qua dratmeter    Freifläche.    Sie    wachsen langsamer,   leben   länger. Aber   auch   die   meisten   Biohühner   stam men   aus der    industriel len    Hybrid zucht,    auch    die    Brüder    der    Bio lege hennen werden    meist    getötet.   Ausnahmen:    die    Zweinutzungs hüh ner    und    die Bruderhahn-Intitiative.
Legehenne    » Lohmann    Brown «     aus    der    Lege batterie    und    aus    dem Firmenprospekt.   Neben   den   abge fres senen   Federn   und   dem   kahlen   Hals der   Henne   links   spricht   auch   der   blasse   Kamm   für   ein   krankes   Tier.   Das Obergefieder   dieser   Legehen nen linie   ist   eigentlich   braun,   wie   auf   dem rechten     Bild.     Davon     ist     der     linken     Henne     nicht     viel     geblie ben. Gegenseitiges    Federpicken    ist    ein    aus    der    In ten siv haltung    bekanntes Phänomen,     das     bis     zum     Kannibalismus     führen     kann .     Um     dem Entgegenzuwirken    wurde    nicht    etwa    eine    artgerechtere    Haltung    mit Auslauf   vorgeschrieben,   sondern   das   Schnabelkürzen   bei   Küken   erlaubt. In   Nordrhein-Westfalen      und   Meck len burg-Vorpommern   ist   das   seit   1. Januar    2017    verboten,    im    restlichen    Bundesgebiet    gibt    es    freiwillge Vereinbarungen.
In     der     Initiative     Bruderhahn   haben   sich   Biobauern   und   Na tur - kosthändler   zusam men getan,   um die    männlichen    Tie re    der    Le ge - hennen linien                 aufzuziehen. Verbraucher      zah len      vier      Cent mehr    für    das    Bruderhahn-Bioei, was   nicht   kostendeckend   ist.   Die Initiative     hat     inzwischen     eini ge Nachahmer         gefunden.         Der Großteil     der     Bruderhähne     wird aber nach wie vor sofort getötet.
»Etwas Besseres als den Tod findest du überall.« Die Bremer Stadtmusikanten

Puttputt kaputt

Foto: Philip Pikart
Die Alternative zur einseitigen Ausrichtung der Hühnerzucht auf Legehennen oder Broiler ist das »Zweinutzungshuhn«. Typisch an der Industrielandwirtschaft ist, dass ehemals Normales jetzt neue Begriffe braucht, weil sie eben nicht mehr die Industrienorm sind. Heute sind die Legehybriden dermaßen spezialisierte Tiere, dass es ein Zuschussgeschäft wäre, die männlichen Tiere aufzuziehen, weil diese Zuchtlinien alle Energie in die Eierproduktion legen, die Hähne aber nur sehr langsam Fleisch ansetzen. Deshalb werden die Brüder der Legehennen direkt nach dem Schlupf zu Tausenden getötet. Das Zweinutzungshuhn, das einige Biobauern als Les Bleues aus dem französischen Bresse gauloise züchten wollen, soll das Töten überflüssig machen - legt aber mit ca. 240 Eiern viel weniger als eine Hybridlege- henne mit über 300 Eiern im Jahr.
Das     Futter     wird     an     Lebensalter     und     Leis - tungssoll   –   Fleischzunahme   oder   Eierproduktion –   genau   ange passt,   berechnet   nach   dem   Anteil   an Proteinen,   Ami no säuren,   Vitaminen,   computer ge - steuert     gemischt,     ge schro tet     oder     in     Pellets gepresst.     Die     Futterbänder     wer den     vollauto - matisch    aus    den    Futtersilos    beladen    und    zeit - gesteuert   angefahren   und   abgestellt. Wenn   es   Sitz - stangen   gibt,   so   liegen   die   über   der   Kotgrube,   die auto matisch   gereinigt   wird.   Der   Boden   der   Nester zur    Eiablage    ist    schräg,    die    Eier    rollen    nach hinten     ab     und     werden     vom     Förderband     zur Sortierung gebracht. Es   gibt   industriell   gefertigte   Vergasungskästen für   die   männlichen   Küken   der   Legelinien,   es   gibt Auto maten   zur   Schnabelkürzung   und   schließlich Fließ bän der   im   Schlachthof.   Die   Maschinenwelt der   Industrie land wirt schaft   endet   direkt   vor   dem maschinell    ge kürz ten    Schna bel    des    Huhns    und beginnt   direkt   an   seinem   Hin ter teil   wieder,   egal ob   dort   Kot   oder   Eier   heraus kom men.   Eine   der Folgen:    Über    90    Prozent    der    Hähn chen    aus konventioneller Mast bekommen Antibiotika.

Bio als Alternative?

Und    auch    Biohennen    wird    mit    künstlichem    Licht    ewiger    Früh ling vorgegaukelt,   denn   wir   ha ben   längst   vergessen,   dass   Hüh ner   im   Winter keine   Eier   legen.   Zwischen   Weihnach ten   und   Os tern   gab   es   früher   keine Eier.   Heute   werden   in   dieser   Zeit   die   meisten   Eier   gekauft   -   und   müs sen also auch gelegt wer den. Das gilt auch für Bioeier. Was   bei   Bio   ganz   anders   ist:   der   Preis   der   Hähnchen!   Ein   Biobroi ler kostet   leicht   30   Euro.   Das   ist   der   Preis   des   besseren   Lebens.   Und   das markiert   ungefähr,   was   es   kosten   würde,   die   Tierhaltung   deutlich   zu verändern und wie viel weniger Fleisch wir dann kon su mieren würden.

Doppelnutz

Vorwärts in die Vergangenheit
Bauckhof-Biohähnchen im Mobilstall
Ist- und Soll-Zustand:
Unter Federpickern und Kannibalinnen
Foto: Ronald Duncan
Foto: USDA
   Siehe Doppelnutz